Wie Zeitzeugen die "Befreiung" erlebten

Wenn auch Sie dieses traurige Kapitel unserer Geschichte selbst durchlitten und darüber geschrieben haben, so können Sie Ihre Erfahrungen jetzt bei uns veröffentlichen. Senden Sie Ihr Dokument (Word-, HTML- oder PDF-Datei) an berlin@deutschland-bewegung.de.


Es folgen Auszüge aus Tagebuchberichten "Ostpreußen - mein Schicksal"
Das Manuskript erscheint im Druffel-Verlag

Von der "Roten Armee" überrollt

Für den Treck war als nächstes Ziel Marienwerder vorgesehen. Frühzeitig fuhren sie schon ab.

Für mich war jede Bewegung schon recht mühsam geworden; alles fiel mir schwer, vor allem das Auf- und Absteigen bei dem hohen Wagen.

Es sollten Hufeisen für die Pferde verteilt werden. Als wir sie holen wollten, gab es Fliegeralarm. Wir waren gerade abgefahren, als die Sirene ertönte. Durch das Sirenengeheul erschreckt, bäumte sich das Pferd, und wir kehrten schleunigst wieder um. Als wir dann zum Hufschmied kamen, gab es keine Hufeisen mehr. Der Schmied war dabei, die Flucht vorzubereiten.

Bevor wir weiterfahren konnten, holten wir noch die Tochter unserer Wirtsleute ab, die mit ihrem Kind in der Nähe wohnte. Beide sollten noch mitgenommen werden. Wegen der Verstopfung der Straßen dauerte es deshalb noch lange, bis wir endlich weiterfahren konnten.

Die Straßen waren eisglatt. Die abgenutzten Hufeisen hafteten nicht mehr; die Pferde glitten aus und der Wagen kam ins Schleudern. Dadurch kam es zum Bruch der Deichsel. Soldaten, die in der Nähe in einem Hause lagen, halfen uns und brachten die Deichsel wieder am Wagen an.

Weiter ging's bei starkem Frost! Erst spät am Abend des nächsten Tages kamen wir an einem großen Gut an, wo wir übernachteten. Ich hatte tagsüber das Kind auf den Arm genommen und war streckenweise zu Fuß gegangen, da der Wagen auf der glatten Straße hin- und herschleuderte.

Am folgenden Morgen war ich gänzlich erschöpft und lag wie leblos im Bett. Erst nach einer geraumen Weile konnte ich wieder aufstehen. Eine kleine Menge Dextropur, die ich noch bei meinen Sachen hatte, half mir ein wenig.

Weil der Kanonendonner deutlicher zu hören war, mussten wir annehmen, dass die Front näher rückte und die Russen uns einholen würden. Wir entschlossen uns, einen Wagen - den größten - stehenzulassen, um schneller voranzukommen. Im stiebenden Schnee luden wir um.

Es strolchten polnische Spitzel in der Gegend umher, die hatten unseren Polen abgeraten, weiter mit uns zu fahren. So war auch morgens mein Anton verschwunden, und ich konnte ihn nicht mehr finden. Er hatte sich den Wagen unserer Mitfahrer zusammen mit deren polnischen Knecht genommen, ihn beladen und war damit davongefahren. Tags zuvor hatte er mir noch den Rat gegeben, bei Fliegeralarm nicht im Haus zu bleiben sondern mich in den Graben zu legen.

Sie fuhren zurück in ihre polnische Heimat.

Unsere Mitfahrer, die Bauersfrau, ihr kriegsversehrter Mann und zwei Töchter, die nunmehr all ihre Habe verloren hatten, bekamen die Gelegenheit, mit Militärfahrzeugen weiterzufahren.

Am anderen Tage schneite und stürmte es. Panzer und andere Militärfahrzeuge rasten vorbei. Ich sah, wie ein Flüchtlingswagen angefahren wurde und im Straßengraben umkippte.

Da sagte ich zu Martha:
"Ich lasse Gottes Willen geschehen; ob ich unter die Russen komme oder im Straßengraben ende!"

Mit den unbeschlagenen Pferden auf den vereisten Straßen selbst zu kutschieren, - dazu hielt ich mich nicht für fähig.

Ein Flüchtling aus Gumbinnen war auch auf dem Hof. Ich fragte ihn, ob ich mich ihm anschließen könne. Mitfahren könne ich mit ihm, jedoch Hilfe dürfe ich von ihm nicht erwarten.

Und so blieb ich da und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Eine Frau aus Lyck in den Masuren war auch allein; wir schlossen uns ihr an und blieben zusammen.

Am Vormittag wurde es so still; - kein Kanonendonner, keine Flieger! Und dann kam ein russischer Offizier mit Soldaten geritten. Er sagte zu uns in gebro-chenem Deutsch:

"Deutschland kapituliert; Ihr gehört zu uns!"

Wir kletterten von unserem Wagen hinunter und gingen in das Haus. Als wir alle im Zimmer waren, kam auch der Mann aus Gumbinnen zu uns. Die Russen hatten ihm sein Fuhrwerk abgenommen. Nur wenige Kilometer war er gefahren. Den Weg zurück hatte er zu Fuß zurückgelegt.

Voller Angst saßen wir jund warteten. Nachts klopfte es an unserer Tür; es waren Russen mit polnischen Mädchen. Wir mussten das Zimmer räumen, und man führte uns in die Scheune. Dort waren alle Zugänge offen und der Wind pfiff hindurch wie im Freien. Vom Wagen holten wir warme Sachen, unsere Pelze und Decken.

Nun saßen wir drei einsam und verlassen in der Tenne auf Stroh. Neben uns lag ein großer Häckselhaufen.

Einige Zeit verging. Dann kam ein russischer Offizier mit einem polnischen Arbeiter, der Deutsch sprach und dolmetschte. Als der Offizier unsere schreckliche Angst bemerkte, unterhielt er sich eine Weile mit mir. Er fragte mich, wo mein Mann sei.

"Er ist Soldat in Frankreich," antwortete ich. Ich bat ihn, die Türen zu schließen. Das wurde auch sofort gemacht, den er sah, dass ich ein kleines Kind bei mir hatte.

"Frau," sagte er, "morgen früh nehmen Sie den Wagen, bleiben aber nicht auf der Heerstraße, sondern fahren auf entlegenen Wegen!"

Er gab mir einen Zettel; den sollte ich vorzeigen, wenn man mich anhalten würde. Dann würde ich schon weiterfahren dürfen.

Er hielt sich noch in der Scheune auf, als ein russischer Soldat hereinkam und mich anschrie. Da fauchte er diesen an: "Frau schlafen lassen!" und der Soldat verschwand eilig.

In den anderen Scheunen lagen ebenfalls Flüchtlingsfamilien. Dauernd wurden die Frauen von den Russen herausgeholt und von ihnen vergewaltigt. Eine Frau, die auch aus dem Kreis Gumbinnen kam, erzählte mir, wie oft sie geschändet worden sei.


Endgültige Vertreibung aus Ostpreußen durch die Polen

Neben unserem Zimmer war eine kleine Kammer; dort hatten wir drei Konservendosen mit Lebensmitteln verwahrt. Ich hatte sie in den Tagen nach der Geburt essen wollen. Sie waren fort. Martha suchte herum und fand die Dosen schließlich draußen, - jedoch aufgeschnitten und leer. Ob es die Russen oder die mehr und mehr einsickernden Polen gewesen waren, war schwer festzustellen. Die Tür zu unserem Zimmer konnte jedenfalls nicht abgeschlossen werden.

Da wir noch Milch hatten, auch noch Kartoffeln und hin und wieder Salat bekamen, konnten wir uns notdürftig ernähren.

Die hinzuziehenden Polen setzten sich auf die leeren Höfe. Sie stahlen "wie die Raben".

Unser Bauer hatte eine Kuh. Um sie vor Diebstahl zu schützen, brachte er sie nachts in den Hausflur und band sie an einem Pfeiler fest. Morgens mussten wir dann den Hausflur sauber machen; dafür bekamen wir Milch für das Kind. Eines Morgens stand die Tür offen, und die Kuh war fort, - gestohlen. Niemand hatte etwas gehört.

Bald konnte ich auch wieder mitarbeiten. Wir flickten Säcke und bekamen jeden Tag ein Mittagessen.

Als die Ernte begann, kamen Polen zum Mähen. Ich sollte die Garben binden. Aber diese Arbeit fiel mir noch schwer, denn ich war noch sehr geschwächt. Daher lief ich eines Tages in der Mittagspause mit Gerhard fort, über Wiesen und Felder bis ins nächste Dorf. Hier bekam ich ein Zimmerchen und hatte zwei Tage Ruhe, in denen ich nicht zu arbeiten brauchte, denn man kannte mich hier nicht.

Dann kam jedoch ein bewaffneter Soldat zu mir mit dem Befehl, ich solle sofort zur Arbeit kommen. Obwohl ich ihm deutlich machte, dass ich noch zu schwach sei und noch Schonzeit hätte, musste ich mitkommen. So stolperte ich wieder mit dem Kind auf dem Arm zurück zum Ausgraben von Kartoffeln.

Der kleine Gerhard konnte nun nicht stundenlang auf dem Acker still sitzen. Er schrie und weinte. Als einmal der Bürgermeister des Dorfes vorbeikam, schickte er mich heim. Es stellte sich jetzt heraus, dass die beiden halberwachsenen Mädchen des Bauern hatten helfen sollen, diese aber mit jungen Polen tändelten, welche dann den Soldaten zu mir schickten.

Eine größere Anzahl von Bauern optierte für Polen, das heißt, sie waren bereit, die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Sie durften auf ihren Höfen bleiben. Bei denen halfen wir bei der Hofarbeit und bekamen dafür Brot und Kartoffeln. Ab und zu wurde ein Kalb oder eine Ziege geschlachtet, so dass auch für uns einiges an Wurst und Fleisch abfiel. Beeren und Obst konnten wir, solange es die Jahreszeit erlaubte, aus dem Garten holen. Wenn die Viehherden kamen, hatten wir auch Milch. Wir sahnten sie ab und machten Butter aus der Sahne, so dass Gerhard kein trockenes Brot mehr zu essen brauchte. Auch schroteten wir Weizen auf Schrotmühlen, siebten ihn durch und kochten Brei daraus. Gerhard nannte es "Pudding".


Ein Ende in Königsberg - Erlebnisbericht einer Frau aus Königsberg

Beim Einmarsch der Roten Armee lebten in Königsberg noch über 80.000 Zivilisten, fast ausschließlich Frauen, Kinder und alte Männer. Im Juni 1947 waren nur noch 15.000 Königsberger in der Stadt. Kaum 1000 hatten sich in der Zwischenzeit aus der Stadt retten können, 5.000 sind nach Angaben der sowjetischen Verwaltung erschossen worden. Ein Teil, der für die sowjetischen Behörden nicht mehr erfaßbar ist, wurde 1945/46 zur Zwangsarbeit nach Osten verschleppt. Die übrigen Königsberger sind durch Hunger und Seuchen umgekommen.

"… Immer noch lag starkes Artilleriefeuer auf der ohnehin schon durch die Bomben alliierter Flieger vernichteten Stadt. Viele Frauen flüchteten durch die brennenden Straßen. Wir erreichten den Bunker der Spulenfabrik Rathshof und taumelten zum Eingang.

Zu Tausenden standen wir nun, wie die Heringe aneinandergepresst, im Bunker. Vom Eingang her war schon deutlich Gewehr- und Maschinengewehrfeuer zu hören. Ununterbrochen brüllten Detonationen dazwischen.

Gegen Mittag des nächsten Tages drangen polnische Zivilarbeiter ein und schrien: "Die Russen sind da! Alles raus; Gepäck drinnen lassen!"

Wir blickten einander an. Alles, was Rundfunk und Zeitung an Furchtbarem geschrieben hatten, fiel uns mit einem Schlag ein. Es sollte allerdings durch die Wirklichkeit weit übertroffen werden.

Vom Eingang her peitschten Schüsse. Die Russen, die sich nicht in den Bunker hineinwagten, schossen einfach hinein. Die Frauen schrien und weinten und drängten die Bunkertreppen hinauf. Mitten in dieser Masse ließ ich mich hinaufschieben, meinen Sohn krampfhaft an mich gepresst. Meine Kniee zitterten. Ehe ich mich noch an das helle Tageslicht gewöhnen konnte, riß mir schon ein Russe meine Armbanduhr ab. Rechts und links standen die Russen wie zum Spalier.

"Ur, Ur jest!" schrien sie.

Wer sich gegen die Wegnahme von Uhren oder auch anderer Schmuckstücke wehrte, verlor augenblicklich sein Leben.

Es begannen nun in aller Öffentlichkeit Szenen, die ich niemals vergessen kann: Fast jede Frau - und wir waren wohl an die 3.000 - wurde vor aller Augen vergewaltigt; offen, bei hellem Tageslicht. Die Kinder, die das alles sahen, weinten und schrien. Wer von den Frauen sich wehrte, wurde erschossen. Auch ich habe mich nicht gewehrt.

Immer neue Haufen von Russen strömten herbei. Weil in der Nähe eine Menge Gebüsch war, versuchten einige Frauen mit ihren Kindern da hinein zu flüchten. Erst jetzt hörten wir, dass sowjetische Flieger ständig über uns kreisten. Diese feuerten mit ihren Bordwaffen auf die Flüchtenden. Viele von ihnen brachen blutüberströmt zusammen. Die anderen, darunter auch ich mit meinem Jungen, liefen wieder zum Haufen zurück.

Nun wurden wir zu einer Kolonne zusammengetrieben und mussten einen Fußmarsch antreten. Wer noch irgend etwas von Wert bei sich hatte, wurde dessen beraubt. Systematisch wurden die Reihen zu diesem Zweck "gefilzt". Stalin hat darüber öffentlich berichtet:

"Die dankbare Bevölkerung beschenkte ihre Befreier mit Ringen, Uhren und Schmuckstücken".

Man trieb uns an einer Eisenbahnbrücke vorbei. Dort lag eine große Menge Frauen in wirren Haufen. Es waren wohl Tausende; genau vermag es wohl kein Mensch zu sagen. Sie waren tot. Ob sie erschossen worden waren oder durch Bombenvolltreffer getötet, weiß ich nicht. Wir nahmen an, dass sie hier zusammengetragen wurden.

Der ganze Pregel schwamm voller toter Frauen. In dem Wasser bildeten die Kleider und die gelben, roten und blauen Schlüpfer ein grausiges Bild.

Als wir an der Kraftfahr-Kaserne vorübergeführt wurden, lagen Bäume über der Straße, die offenbar als Straßensperre von deutschen Pionieren umgelegt worden waren. Einige der Frauen rissen sich hier los, turnten auf den Stämmen umher, ritten auf ihnen wie die Kinder, lachten, schrien und weinten. Sie waren irrsinnig geworden.

Rechts von der Kaserne waren die Wiesen unter Wasser gesetzt worden, und während im Pregel hauptsächlich Frauen getrieben waren, schwammen hier viele Hunderte tote deutsche Soldaten, aber auch einige Zivilisten und sogar Kinder.

Russische Offiziere mit breiten Achselstücken durchstreiften die Uferränder des Überschwemmungsgebietes. Sie hatten Stangen in der Hand und zogen damit die Toten an das Ufer, drehten sie um und durchsuchten sie nach Uhren und Ringen.

Wir aber wurden weiter getrieben. Manche der Frauen wollten austreten. Aber unser jammervoller Zug zog wie hypnotisierend immer mehr Russen an, und jede Frau, die austrat, wurde vergewaltigt. Im Zug war man noch einigermaßen sicher. So kam es, daß die Frauen es nicht mehr wagten, auszutreten, und bald stank unser Zug fürchterlich.

Bei Ponarth wurden wir abends in das riesige Glashaus einer Gärtnerei gedrängt, wo wir eng aneinander gepreßt die Nacht über stehen mußten. Das Glashaus wurde die ganze Nacht von russischen Soldaten belagert, und jede Frau drängte mit Gewalt zur Mitte, denn dort hatte sie noch am ehesten Ruhe.

Die Bilder dieser Nacht sind nicht wiederzugeben.

Am nächsten Morgen ging es weiter. Zu essen bekamen wir nichts. Wir versuchten manchmal, aus den nahen Mieten Futterrüben und Kartoffeln zu ergattern, die wir dann roh aufaßen. Die Folge war eine entsetzliche Dysenterie.

Immer wieder kamen neue Sowjetkolonnen, die uns anfielen. Da sie keinen Schmuck mehr fanden, rissen sie uns Kleider und Mäntel herunter. Wer unglücklicherweise gutes Schuhwerk hatte, dem wurden die Schuhe ausgezogen, so daß er barfuß marschieren mußte. Einige waren splitternackt ausgezogen worden und hüllten sich notdürftig in Decken mit ausgeschnittenen Löchern ein.

Es kamen auch die ersten Selbstmorde vor. Zu Dutzenden ertränkten sich die Frauen in den Teichen längs der Schönfließer Allee.

Mein Junge, der das alles mit ansehen mußte, blickte mich mit Augen an, die keinem Kind angehörten. Er sagte bittend zu mir:

"Mutti, erschieß mich!" Weinend habe ich ihm klargemacht, daß das nicht ginge; ich hätte ja keine Pistole.

Das Elend riß nicht ab. In einer der folgenden Nächte wurden wir in eine Autowerkstatt hinein gezwängt. Des nachts schlugen die Russen die Türfüllungen ein, und als wir uns gegen die Tür stemmten, schossen sie auf uns. Da ließen wir es sein und ergaben uns in unser Schicksal.

Die vierzehnjährige Anni, deren Eltern eine Bäckerei in Königsberg hatten, war in der ersten Nacht über vierzigmal vergewaltigt worden. Wochenlang konnte sie nicht mehr sitzen. Ihr Vater war als Kapitalist sofort erschossen worden, ihre Mutter ist später verhungert.

Bald verhungerten auch bei uns die ersten. Es ging alles sehr schnell. Die Ältesten, die Kranken und die Schwächsten nahm ein gütiger Tod. Meist schliefen sie still und wortlos ein. Wir begruben sie dann neben dem Haus.

So wie uns ging es wohl der erdrückenden Mehrheit der Königsberger.

Im April 1947 wurde uns befohlen, die Stadt mit einem der nach Westen rollenden Güterzüge zu verlassen. Große Massen von Frauen und Kindern belagerten den Bahnhof. Sie versuchten, auf den Dächern oder auf den Puffern der Wagen der Hölle von Königsberg zu entkommen. Die russische Militärpolizei schlug die Frauen mit dem Gewehrkolben von den Dächern und stieß mit den Bajonetten nach denen, die sich an die Trittbretter anklammerten. Viele stürzten unter die Räder und schrien gräßlich. Manche waren sofort still.

Plötzlich fuhren überfallartig von allen Seiten russische Lastwagen heran. Sowjetsoldaten sprangen ab und machten ihre Gewehre und Maschinenpistolen schußbereit. Es war eine der Razzien für die Sammeltransporte nach Sibirien. Vergeblich versuchten wir, auszubrechen, um so unserem Schicksal zu entgehen. Wir waren jedoch umzingelt.

Die ganze Menschenmenge - viele Hunderte - wurde in die bereitgestellten Wagen gepfercht, die sodann fest verschlossen wurden. Es war ein ganz langer Zug. Nach einer Weile setzte er sich in Bewegung. Wohin?

Es sollte viele Jahre dauern, bis ich die Heimat wiedersah und unter deutschen Menschen in Freiheit leben konnte.